„A woman’s place… is in the revolution!“ – Broschüre veröffentlicht!

Die Broschüre kann hier heruntergeladen werden.

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

So steht es seit 1949 im Grundgesetz Artikel 3, Absatz 2.

Hinsichtlich der gesetzlichen Gleichstellung von Mann und Frau hat sich in den letzten Jahren viel getan. Heute gibt es ohne Ende Gleichstellungsgesetze, die alle unter oben genanntem Zitat zusammenfallen. Frauen und Männer sind gleichberechtigt; alles emanzipiert.

Die Ergebnisse verschiedener aktueller Studien sprechen jedoch eine andere Sprache: Was wir trotz der nominellen Gleichstellung im Grundgesetz sehen, wenn wir 2016 durch die Straße gehen, ist ein Sexismus widerlichster Art. An jeder Bushaltestelle, an jedem Kaufhaus und in fast jeder Werbung sehen wir Frauen, die auf ihren Körper reduziert werden. Wir sehen Musikvideos, in welchen nichts anderes mehr zu sehen ist, als die blanken Hintern von Beyoncé, Niki Minaj oder Rihanna. Wir sehen, dass diese Frauen heute als „Vorbilder“ für viele junge Mädchen dargestellt werden und als „selbstbewusst“ gelten, weil sie „ganz bewusst auf ihre Reize setzen“. In Deutschland zeigt sich diese Objekti zierung besonders deutlich am Beispiel der Fernsehserie „Germany‘s Next Topmodel“, welche eine Welt zeigt, in der Frauen keine Bildung, kein Wahlrecht oder Ähnliches brauchen, sondern Objekte sind, die „fetischisiert, vermessen, vorgeführt und verkauft“ werden. Wie eine Frau auszusehen hat wird heute durch sexistische Rollenbilder vorgegeben.

Doch dabei bleibt es nicht: sexualisierte Gewalt und häusliche Gewalt sind verbreiteter als manch einer denken mag. In Deutschland ist häusliche Gewalt die am häu gsten vorkommende Gewalt. 2015 wurden in Deutschland insgesamt 6732 Frauen vergewaltigt oder sexuell genötigt und das sind lediglich die Zahlen, die der Polizei bekannt sind. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.

Laut einer EU-Studie aus dem Jahr 2014 hat jede dritte Frau in Europa körperliche oder sexualisierte Gewalt erfahren.

„35 Prozent der deutschen Frauen haben seit ihrem 15. Lebensjahr mindestens einmal sexualisierte oder körperliche Gewalt erlebt, sind also geschlagen, getreten, geohrfeigt, begrapscht, genötigt oder zum Sex gezwungen worden.“

Eine von zwanzig Frauen wird vergewaltigt, eine von zehn erlebt andere Formen sexueller Gewalt. 2004 kam eine Studie des BMFSFJ zu noch drastischeren Zahlen: Fast jede siebte Frau in Deutschland wird demnach vergewaltigt.

Neben Sexismus und sexueller Gewalt erlebt die überwiegende Mehrheit der Frauen massive ökonomische Ungleichheit. Bei einem durchschnittlichen Lohngefälle von 22% zwischen Mann und Frau von einer Emanzipation der Frau zu reden, ist und bleibt reine Illusion. Das Frauen überwiegend in Prekär- und Teilzeitjobs beschäftigt sind, und es auch heute noch das Rollenbild der Frau als „Hausfrau und Mutter“ gibt, ist bekannt. Somit wird die Frau immer wieder in die ökonomische Abhängigkeit von Mann oder Staat getrieben.

All das zeigt, wie schmerzend aktuell und berechtigt unsere Forderung nach Gleichstellung, die über formale Gleichberechtigung hinausgeht, ist. Frauen werden im Alltag zu sexuellen Objekten degradiert, werden Opfer von Gewalt und Übergriffen und erleben ökonomische Ungerechtigkeit. Weltweit und auch heute hier in Deutschland sind Frauen tagtäglich mit Unterdrückung und Ausbeutung konfrontiert. Wir leben heute in einer patriarchalen Gesellschaft, in welcher Männer auf Kosten der Frau eine privilegierte Stellung genießen und Frauen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden.

Die „Hinwirkung auf die Beseitigung bestehender Nachteile“ (GG, Artikel 3, Absatz 2) durch den Staat auf diese Zustände äußert sich dann in Form von sogenannten Gleichstellungsgesetzen. Deutschland ist Mitglied der „UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW)“. Damit hat sich das Land verpflichtet, die Rechte der Frauen zu schützen und deren gleichberechtigte Teilhabe in sämtlichen Lebensbereichen sicherzustellen.

Tatsächlich ist die Art und Weise, wie der Staat mit Sexismus oder sexualisierte Gewalt und ökonomischer Ungleichheit umgeht, das Gegenteil von einer „Hinwirkung auf die Beseitigung bestehender Nachteile“: Vor 20 Jahren haben 21,6% der Frauen, die eine Anzeige erstattet haben, die strafrechtliche Verurteilung des Täters erlebt, 2004 waren es 13% und 2012 liegt die Verurteilungsquote bei lediglich 8,4%. Die Haltung des Staats bezüglich der ökonomischen Ungleichheit der Frau zeigt sich besonders drastisch bei der sogenannten Herdprämie, welche die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter zementiert.

In vielen Fällen werden von den bürgerlichen Parteien Gesetze verabschiedet, die darauf abzielen die Illusion von Gleichstellung der Frauen zu erzeugen. Ein Beispiel dafür ist die Frauenquote in Aufsichtsräten, die im Mai 2015 auf den Weg gebracht wurde: Nur 437 Frauen sind tatsächlich von einer solchen Regelung betroffen. Die einzige Motivation hinter diesen Gesetzen ist die direkten Auswirkungen des Patriarchats zu dämpfen und die Empörung der Frauen unter einem Haufen von Papier zu ersticken.

Wir sehen in Deutschland trotz der formalen Gleichstellung, die bereits 1949 eingeführt wurde, nach wie vor die massive Diskriminierung der Frauen. Alle tatsächlichen Verbesserungen die für die Masse der Frauen durchgesetzt wurden musste die Frauenbewegung gegen den Widerstand des Staates erkämpfen. Ob der Staat eher mit brutaler Durchsetzung (z.B. in Saudi-Arabien) oder mit einem netten, emanzipatorischen Anstrich (wie Hillary Clinton) versucht das Patriarchat aufrecht zu erhalten hängt von der Situation in jedem Land ab.

Was wir wollen ist nicht nur eine Verschleierung der Symptome, sondern eine zielstrebige und direkte Bekämpfung der Ursache von Sexismus und Patriarchat. Trotzdem treten wir selbstverständlich aktiv für jede Reform und jede Bekämpfung der Symptome ein. Was wir aber wissen wollen, ist, warum es die Unterdrückung der Frau gibt, woher sie kommt, wer dahinter steckt und wer sie aufrecht erhält. Wir fragen uns: welche Möglichkeiten und Alternativen gibt es, um die Gleichberechtigung und Befreiung der Frau nicht nur formal, sondern tatsächlich zu realisieren?

Wir sind der Meinung, dass die Fragen der Gleichstellung und der Aufhebung des Patriarchats nicht losgelöst von der kapitalistischen Gesellschaftsstruktur sind, in welcher wir heute leben.

Mit dieser Broschüre hoffen wir, allen Frauen dabei helfen zu können, der Realität ins Auge zu blicken und ein Bewusstsein für ihre eigene Lage zu entwickeln; denn der erste Schritt zur Veränderung ist die Erkenntnis von Ungerechtigkeit in all ihren Auswüchsen und Ursprüngen. Natürlich sind Männer hier nicht ausgeschlossen: Mit unserer Broschüre wollen wir darlegen, warum der Kampf um die Befreiung der Frau ein gemeinsamer Kampf von Frau und Mann sein muss. Wir wollen den Zuständen die Alternative eines marxistischen Feminismus entgegensetzen. Eine Alternative gegen ein System, das Gewalt und Ungerechtigkeiten gegen Frauen zum Alltag macht.